Ein kleiner Beitrag zur Parkgeschichte und seiner Wertschätzung heute.

Landschaft


Die Landschaft wird in dieser Gegend ,im Norden von Bremen, durch die Geest und den Flusslauf der Lesum bestimmt. Seit Jahrhunderten wurde hier gesiedelt, an der Lesum war Weideland, und auf dem Berg wurde Ackerbau betrieben. Die Geestkante war kahl und z.T. Steil und stark zerklüftet.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts galt es unter den vermögenden Bremern als schick, nicht in Oberneuland sondern in Lesum den Sommer zu verbringen und später auch dort feste Häuser zu bauen. Die Familien Kulenkampff und Knoop sind die bekanntesten unter ihnen.

 

Mit ihren Häusern und Gärten drückten die aus Bremen zugezogenen Leute der damals noch hannoverisch-preußischen Landschaft den eigenen Stempel auf.

 

Grundstücke am 'Hohen Ufer' und die Gärten


Was wir heute als Knoops Park bezeichnen, umfasst folgende Anlagen und Gebäude:

  • den Garten von Baron Knoop (und das ehemalige Schloss Mühlenthal) zwischen `An Knoops Park´ und dem Weg `Auf dem Steinberg`,
  • die Torhäuser, den Garten (und die ehem. Albrechtsburg ) von George und Louise Albrecht ( geb. Knoop ), und noch weiter westlich
  • das Haus Schotteck“ und den Garten von Georg und Adele Wohlde ( geb. Knoop)
  • das „Haus Lesmona“ und den Garten von Carl Melchers (Onkel von Magdalene Melchers), 'Am Kapellenberg´, sowie ,nördlich
  • das Park- und Waldgelände des Barons mit dem „Haus Kränholm“ von Wilhelm und Emilie Kulenkampff ( geb. Knoop ); das Haus ist erst später hierher versetzt worden.
  • und: Haus Blumenkamp von Heinr. Wolde,Vater von Georg W., mit einem Park von Ch.Roselius !

Was die Häuser der Knoop`schen Töchter angeht, so werden sie heute „Töchterresidenzen“ genannt. Haus Lesmona hat mit dem Briefroman von Magdalene Melchers: „Sommer in Lesmona“ Berühmtheit erlangt. Mittlerweile hat „Sommer in Lesmona“ Marken- und Kultcharakter, seitdem die Kammerphilharmonie hier ihr Freiluftkonzert gibt.

Der Garten von Baron Knoop ist von Wilhelm Benque entworfen worden, aber auch die anderen benachbarten Gärten tragen seine Handschrift: es ist die „Mode“ der englischen Landschaftsgärten, die man damals „ trägt“.

Park


In den 1920-er Jahren, sind die meisten Familien, verursacht durch Wirtschaftskrisen, Erbteilungen und Grundsteuerlasten nicht mehr in der Lage, die Güter zu halten. Viele Familienmitglieder sind in die ganze Welt verstreut.

Die Gemeinde Lesum erwarb die Flächen, zuerst Gut Mühlenthal, später auch die anderen.
Christian H. Roselius und Gartenbaudirektor Homann planen den Knoop`schen Garten um; der Park wird 1939 für die „Volksgenossen“ geöffnet. 1939 wird Lesum durch Reichsgesetz an Bremen angeschlossen. Sogenannte Aufsiedlungspläne werden geschmiedet und an den Rändern auch realisiert.

„Schloß Mühlenthal“ von Baron Knoop war schon 1933 abgerissen worden, aus den übrigen Häusern werden NS-Gauschule und Müttererholungsheime, später Lazarette und Unterkünfte für die Besatzungsmächte, und dann Tuberkulosekrankenhäuser.....

Ab den 1950 – er Jahren wurden die Gärten zu einem öffentlichen Park zusammengefasst, durch weitere Wege verbunden und erschlossen , neue Stützmauern und Treppen wurden im Stile der Zeit aus beschlagenen Sandsteinen und -platten zusammengefügt usw. Die Spuren der „guten alten Zeit“, wie die Grotten und Aussichtspunkte, wurden bewahrt, z.T. gesichert und umgebaut: aber das geschah alles ziemlich sorglos!

Das änderte sich, als 1985 ein verheerender Windeinbruch große Teile des Parks zerstörte, der Stadt neue Belastungen abverlangte und zu neuen Baugelüsten anregte.

Um in dieser Lage einerseits zu unterstützen und andererseits zu verhindern, wurde nun der Förderverein Knoops Park gegründet (siehe Satzung). Er widmet sich der Aufgabe, die Arbeiten im Bestand und die Entwicklung von Knoops Park und der anschließenden öffentlichen Grünflächen zu unterstützen und mitzugestalten.

Der Erhalt des Kerns von Knoops Park als gartenhistorisches Denkmal ist wesentlicher Bestandteil dieser Aufgabe. Heino Grunert und das Büro Lindenlaub aus Hamburg lieferten neue Einsichten in die Gartengeschichte und erarbeiteten erste Entwicklungskonzepte.



Der Landschaftsgarten


Der Englische Landschaftsgarten, die Idee , den Garten als Folge begehbarer Landschaftsbilder zu gestalten, war auch im Deutschland des 19.Jahrhunderts zum Vorbild, ja zur „Mode“ geworden. In die Reihe berühmter Landschaftsgärtner, bei Fürst Pückler-Muskau angefangen, über Sckell und Lenné, gehört auch Wilhelm Benque (geb.1814 in Ludwigslust – gest. 1895 in Bremen; seit 1865–70 und 1877-84 Parkdirektor des Bürgerparks!).

In den einschlägigen Büchern zur Gartenkunst wird der Landschaftsgarten in etwa wie folgt beschrieben:

Die Vegetation bewahrt ihren natürlichen Habitus und ist nach dem Vorbild der Natur in einzelnen Bäumen , in Baumgruppen, Hainen und Waldpartien gepflanzt.

Ziel ist es, natürlich wirkende , malerische Gartenbilder zu inszenieren. Konsequenterweise dienen die Wege nicht nur der simplen Erschließung sondern sie führen zu Orten mit freier Sicht auf die Landschaft und auf gebaute Staffage-Architekturen (wie Tempelchen, Statuen, Grotten etc.). Alle Wege sind in Schlangenlinien geführt.

Auch das Wasser wird stets in natürlich erscheinenden  Formen eingesetzt, als Bach oder See, in dem sich z.B. das herrschaftliche Haus spiegeln kann. Die topografischen Unregelmäßigkeiten des Geländes bleiben weitgehend erhalten oder werden durch künstliche Bodenmodellierung noch akzentuiert.


(Quelle: mit ein paar Änderungen zitiert aus dem Ausstellungskatalog: Gartenkunstmuseum, Schloss Fantaisie, dort wiederum Hinweise auf Quellen im Anhang).

In dieser Beschreibung erkennt man den Knoops Park deutlich wieder!

Für wen waren diese Gärten?

 

Natürlich erst einmal für die „nicht Unvermögenden“, die ihre Schlösser und Villen harmonisch in diese Gärten gestellt hatten, die sich der Muße hingaben, die sich auf den sogenannte Pleasure-grounds vergnügten, die den Besuchern ihre Stellung in der besseren Gesellschaft zeigen wollten.

Außerdem waren bei den meisten Landgütern auch Wirtschaftsgebäude: man konnte sich
selbst versorgen, und das nur mit dem Feinsten,....: aber das alles in einer Zeit, als das Industriezeitalter, mit allen seinen Umwälzungen für die Lebens- und Arbeitsverhältnisse, auch in Deutschland längst begonnen hatte.

Der Landschaftsgarten war auch die ideale Grundform für die jetzt auch neu entstehenden öffentlichen Parks, so auch für den Bremer Bürgerpark. Den Platz von sonst herrschaftlichen Häusern nahmen hier das „Parkhaus“ (später Parkhotel, umgeben von einer noch fast barocken Anlage mit dem Hollersee) und die „Meierei“ ein .

Der Bürgerpark ist Benques Hauptwerk, die privaten Gärten entwarf er wohl so nebenher, oder er gab nur Tipps, wenn er in der Gesellschaft „herumgereicht“ wurde; …. eigentlich war er ein sehr politischer (Emigration nach USA/New York 1848-65), aber auch etwas eigenwilliger und eigenbrödlerischer Mensch.

Wer braucht den Park?
Die große Anziehungskraft, die der Bürgerpark bis heute ausstrahlt, scheint ein Zeichen dafür zu sein, dass die Ideen der Landschaftsparks des neunzehnten Jahrhunderts für eine Menge von Leuten noch große Wirkung zeigen; Werner Damke, der Parkdirektor, schätzt die Besucher seines Parks auf 1, 5 Millionen pro Jahr. Viele kommen auch wegen der „Events“:Shakespeare im Park, Kinderfeste, Lichterfest am Hollersee....

Knoops Park heute


Solche Besucherzahlen hat der Knoops Park natürlich nicht ; das Umfeld ist relativ dünn besiedelt, viele Leute in unmittelbarer Nähe haben selbst Gärten , aber: seine Fläche ist auch groß ( ca.50 ). Man kommt mittlerweile auch von weiter her, um den Park zu besuchen. Er ist mit Bahn und Bus gut erreichbar und hat neben dem begleitenden Fuß- und Radweg an der Lesum (Brommyweg) mehrere Zugänge von der Straße `Auf dem Hohen Ufer´.

Seit der Konzerte zum „Sommer in Lesmona“ hat der Park überregionale Bedeutung erlangt, aber das ist eben einmal im Jahr. Die Hoffnungen ruhen auch auf dem 2012 eröffneten Kunst- und Kulturhof Kränholm.

 

Im Winter ist auch Rodeln mitten im Park beliebt, hier ist sicher Bremens gebirgigstes Wintersportgebiet.

Mehrere Gutachten haben sich inzwischen der Bewertung von Natur und Landschaft, der gärtnerischen Bestandsaufnahme und Planung und der kulturhistorischen Bedeutung gewidmet. Letztere führten 2010 dazu, das gesamte Gelände zum Gartendenkmal (als Beispiel bremischen Landsitzkultur) zu erklären (die erhaltenen Villen standen schon länger unter baulichem Dekmalschutz).



Landschafts- und Denkmalschutz sind nur öffentlich-rechtliche Gütesiegel für analytisch feststellbare Qualitäten , der normale Besucher wird diese vermutlich ga rnicht wahrnehmen. Er sucht Ruhe und Erholung, er will sich sportlich betätigen oder er führt seinen Hund aus: das sind schon die wichtigsten täglichen Ereignisse. Ob man sich heute auch noch mit seinem Mädchen im Park trifft, um ungestört zu sein, das weiß man nicht!

Manchmal gibt es auch eine Führung im Park.........

Ästhetik (..des Angenehmen")

Dieses Wort kommt aus dem Griechischen und heißt: sinnliche Wahrnehmung, mehr eigentlich nicht!

Prof. Wulf Tessin verbindet mit den Freiräumen einerseits “Ästhetik des Angenehmen“ (W.Tessin, 2008). Diese sinnliche Wahrnehmung ist aber zunächst einmal höchst individuell ( mitgeprägt von Wissen, Bildung und Erfahrung etc.).

Was machen die Natur-Bilder, die Atmosphäre, das Erleben von Frühling, Sommer, Herbst und Winter, von Regen und Sonne , von Licht und Schatten, von den Blüten der
Rhododendren ,von dem Duft der Linden, ja , und jetzt kommt's: Das „Zwitschern der Vögel“, ….....was macht diese Natur / Kultur mit uns, und in uns ?.... das weiß jeder nur selbst, oder er fühlt vielleicht gar nichts, …. kaum vorstellbar, aber das soll´s auch geben!

Dazu kommt noch den Reiz ,in den Gärten der „Reichen“ zu sein, deren Geschichte zu lauschen, am Originalschauplatz zu sein, voll von Vergangenheit mit Liebe, Glück und Tränen!

Brauchen wir das ? …..oder ist es anachronistisch , weltfremd , konservativ, sich mal ausruhen und entspannen zu wollen. Woher kommt die Sehnsucht nach der Natur? Gibt es Mittel , z.B. auch in der modernen Gartenplanung, sie zu stillen, oder sind die alten Parks die letzten Rückzugsgebiete
… und somit umso mehr zu bewahren und zu pflegen ?

Einige Pädagogen sagen mittlerweile , wir brauchen die Natur, denn sie gehört zum Leben, und wer davon nichts mit auf den Weg bekommt , wird bleibende emotionale und soziale Schäden haben …! Haben wir den Wert unserer Parks eigentlich schon erkannt?

Die Wertschätzung der Parks ist Voraussetzung dafür, dass sie angemessen gehegt und gepflegt werden. Diese Wertschätzung zu erhöhen ist auch Sinn dieses Beitrags.

Dieses Skript beruht auf einem Vortrag, gehalten im Stadtdialog „Parks mitten in der Stadt“ , eine Veranstaltung des Bremer Zentrums für Baukultur am 28.Juni 2011.


Verfasser : Christof Steuer - Vorsitzender des Fördervereins Knoops Park -
(Copyright: Förderverein Knoops Park)

Bilder: Christof Steuer, Stefan Villena – Kirschner sowie aus folgenden Quellen:
Bremen und seine Bauten 1900
Müller-Glaßl: Gutachten Knoops Park, 2005
Postkarten Heimatverein Burglesum
Kammerphilharmonie Bremen
Film: Sommer in Lesmona 

Lesumer Kulturtage

 

In 2016 gab es wieder im Rahmen der Burglesumer Kulturtage „Sommer in Lesmona“ einen Ökonomischen Gottesdienst und anschließend ein Konzert der Natur- und Jagdhornbläser.

 

In der tollen Kulisse von Knoops Park hatten sich wieder sehr viele Zuschauer und Zuschauerinnen eingefunden und die Veranstaltung bei einem herrlichen Sonne-Wolkenmix genossen.

 

Impressionen aus dem Park

Platz mit Säule (Geo-Position: N 53° 09.771' / O 8° 40.438')

Eiche mit Rundbank (Geo-Position: N 53° 09.757' / O 8° 39.993')

Videoimpressionen Herbst 2011

 

"Impressionen aus Knoops Park" - unter dieser Überschrift zeigt ein Kurzfilm einige eindrucksvolle Impressionen aus Knoops Park, aufgenommen im Herbst 2011. "So schön kann der Herbst sein"!

 

Wir danken dem Autor für seine freundlicherweis Erlaubnis, den Link hier zu verwenden: zum Video hier klicken.